Wie gehen wir mit Social Media um? 14. Mai 202614. Mai 2026 Noch immer wirkt bei mir die Gesprächsrunde zum Thema „Wie Social Media die Demokratie zerstört“ mit der Europaabgeordneten Alexandra Geese nach. Am 26.04.26 waren bei schönsten Sonnenschein über 40 Grüne zu Gast beim OV Sprockhövel (https://gruene-sprockhoevel.de/). Dort diskutierten wir nach einer einleitenden Präsentation mit aktuellen Studienergebnissen zum Einfluss von Social Media auf die politische Meinungsbildung mit ihr über die Wirkung der Plattformen auf die aktuelle politische Lage und unsere Demokratie. Nachdenklich gestimmt hat mich vor allem die große Unwissenheit über diese Zusammenhänge in der Gesellschaft. Denn wer hat nicht bereits angedeutet, dass das Marketing bestimmter Parteien besser wäre als das der Parteien der Mitte. Seit 2021 ist durch eine Whistleblowerin von Meta bekannt, dass „Likes“ 5 mal weniger zur Verbreitung beitragen als negative Emojis (https://gruenlink.de/idbp0qs4vz). Nun mag hier aufgrund der öffentlichen Wahrnehmung nachgeschärft worden zu sein, aber das Prinzip bleibt erhalten – je mehr Aufregung ein Post erzeugt, desto schneller wird er durch den Algorithmus verbreitet. So stellen die Firmen sicher, dass die Nutzer möglichst lange verweilen. Die dahintersteckenden finanziellen Interessen sind so groß, dass über die tatsächlichen Gestaltung der Algorithmen wenig bekannt ist und Untersuchungen dazu zudem unterbunden werden (https://gruenlink.de/cfwfu04bbi). Bedenkt man dieses in die Extreme führende Verhalten der Social Media Plattformen, so verfängt der Einleitungssatz von Alexandra Geese noch mehr – es gibt keine Verrohung der Gesellschaft, stattdessen sieht man eine durch Social Media geförderte Erregungsspirale. Warum sollten wir uns damit genauer beschäftigen? Weil Studien zeigen, dass die Algorithmen auch politischen Einfluss nehmen. Das es nicht nur um den nächsten Aufreger geht, sondern die politischen Ränder stärker repräsentiert werden und so sichtbarer werden als sie tatsächlich auf den Plattformen sind. Und dies nicht nur durch gezielte Manipulation bei Wahlen im Ausland (https://gruenlink.de/ucon1ke7tl) sondern auch bereits bei der Bundestagswahl 2025 (https://gruenlink.de/bkbq8pf52k). Die Studie vergleicht anhand von angelegten Testaccounts fiktiver Nutzer im Alter von 21-25 Jahren mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung sowohl die Zeit von der Veröffentlichung bis zur Sichtbarkeit als auch die Anzahl der getätigten Posts der Parteien und deren prozentualen Anteil in der Timeline dieser Testaccounts. Ohne Einflussnahme durch den Algorithmus wäre zu erwarten, dass die Zeit bis zur Sichtbarkeit in den einzelnen Accounts je nach politischem Interesse nahezu gleich ist während sich die Sichtbarkeit an der Anzahl der Veröffentlichungen orientieren sollte. Dies ist aber nicht der Fall. Alleine auf TikTok erreicht ein AfD-Video bereits nach 12 Minuten die Testaccounts während Videos der anderen Parteien erst nach über 30 Minuten (CDU/CSU) bzw. über 60 Minuten (alle anderen Parteien) in Erscheinung treten. Auch die Sichtbarkeit der Beiträge entspricht nicht der Anzahl der Veröffentlichungen. Auf der einen Seite erreichen BSW, Linke und AfD zusammen mit nur 33,7% der Beiträge 73,3% der Sichtbarkeit. Auf der anderen Seite stehen die Parteien SPD, FDP, CDU/CSU und BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN mit über 66% Beiträgen und einer Sichtbarkeit von nur 26,2%. Social Media ist entsprechend hoch politisch! Und nicht einfach durch ein „mehr“ oder „besserer“ Posts der Parteien der Mitte (zurück) zu gewinnen. Da in den Netzwerken das Laute und Extreme gefördert wird, ist Social Media nicht frei. Und wir als Partei wollen uns nicht der Logik ergeben und mit Aufregern punkten oder gar propagandistisch arbeiten sondern über unsere Politik informieren und mit den Menschen kommunizieren. Studien zeigen zudem, dass Menschen durch die Nutzung von Social Media anfälliger werden für Hatespeech, Propaganda und Falschinformationen und so das Vertrauen in demokratische Institutionen sinkt (https://gruenlink.de/jqlxqurizz). An technischen Lösungen fehlt es hingegen nicht. Und Algorithmen sind nicht per se schlecht. Wenn ich als Nutzer selber entscheiden kann, was ich sehen möchte und dieser Wunsch dann auch umgesetzt wird, kann ich mir meine Timeline nach meinen Interessen gestalten und zuschneiden. Auf den weit verbreiteten Plattformen der Tech-Firmen ist diese Entscheidung nur eingeschränkt umgesetzt. Aktuell scheint zudem aufgrund der weltpolitischen Lage eine klare Durchsetzung unseres europäischen DSA (Digital Service Act) schwierig (https://gruenlink.de/h1jcklf1bj). Politisch muss entsprechend mehr für unabhängige Plattformen und eigene, europäische Lösungen getan werden. Zudem sollten Plattformen, die Desinformationen verbreiten, nicht mehr unterstützt werden. Auch deshalb ziehen sich die BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN zusammen mit der SPD und der Linken von X zurück (https://gruenlink.de/cfizve4dy9). In Hattingen versuchen wir zudem „plattformunabhängiger“ zu arbeiten und unsere Ideen und unsere politische Arbeit verstärkt auf unserer Homepage zu veröffentlichen. So kann sich jeder informieren, ohne an eine Plattform gebunden zu sein. Schaut also gerne regelmäßig vorbei.